Zeichnungsteil, Sonderteil, Praxiseinblick

Warum die technische Zeichnung über Kosten und Qualität der Sonderteile entscheidet

  • Portrait von Christian Meistrell
  • Christian Meistrell

  • Technik und QS

Technische Zeichnungen für Sonderteile nach Maß 


Technische Zeichnungen sind die Grundlage jeder Sonderteilfertigung. Trotzdem scheitern Projekte regelmäßig an unvollständigen oder falsch spezifizierten Zeichnungen. Christian Meistrell, im Bereich Technik und QS bei der Daniel Gruppe, erklärt, worauf es wirklich ankommt.

Technische Zeichnungen: Eine Sprache, die weltweit funktioniert

Wer an technische Zeichnungen denkt, hat Maße, Linien und Normen vor Augen. Christian Meistrell geht noch einen Schritt weiter.

„Technische Zeichnungen sind eigentlich so etwas wie eine eigene Sprache, mit der jemand in China genauso arbeiten kann wie jemand in Deutschland, in Frankreich oder in den USA.“

– Christian Meistrell,
Technik und QS bei der Daniel Gruppe

 

Fehlen einige dieser „Vokabeln“, entstehen Missverständnisse. Bei Sonderteilen wiegt das besonders schwer, weil Interpretationsspielraum bei individuellen Teilen direkt zu Fehlern führt.

Vollständigkeit ist das A und O der technischen Zeichnung

Viele möchten wissen, was eine gute Zeichnung ausmacht, aber den Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Zeichnung festzustellen, greift zu kurz. Entscheidend ist eine andere Frage: Enthält die Zeichnung alle Informationen, die für eine möglichst wirtschaftliche Produktion nötig sind?

Eine standardisierte Checkliste für Vollständigkeit gibt es nicht. Jedes Teil muss andere Anforderungen erfüllen. Dabei reicht die Bandbreite über alle Fertigungswege: Von individuellen Stanzteilen bis zu hoch-komplexen Zerspannungselementen. Zwei zentrale Schritte bilden trotzdem immer den Ausgangspunkt:

  1.  Die Anforderungen an das Sonderteil verstehen: Was soll das Teil leisten? In welcher Anwendung kommt es zum Einsatz?
  2.  Das Fertigungsverfahren festlegen: Wie lässt sich das Teil möglichst wirtschaftlich herstellen?

Wer diese Reihenfolge einhält, vermeidet die häufigsten Probleme von Anfang an. Unsere Techniker stehen Ihnen in der Konstruktion beratend zur Seite und stellen die entscheidenden Fragen an den richtigen Stellen – bis ins kleinste Detail.

„Eine Zeichnung muss vollständig und eindeutig sein. Fehlen entscheidende Angaben, entstehen Rückfragen, Missverständnisse und unnötige Kosten.“

– Christian Meistrell, Technik und QS bei der Daniel Gruppe

„Derartig langfristige und stabile Beziehungen in beide Richtungen sind in unserem Geschäft äußerst selten und fast schon ein Alleinstellungsmerkmal der Daniel Gruppe – sowie die Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung anspruchsvoller Projekte.“

– Hans-Peter Mech, technischer Leiter der Daniel Gruppe

Beispiel aus der Praxis: Schubladendenken der besonderen Art

Zur Zeit der Entwicklung etwas ganz Besonderes, heute fast schon allgegenwärtig: Wer zu Hause mit Schwung die Schublade zuschlägt, erwartet, dass der Kasten sanft abbremst und dann langsam und vor allem leise zum Stehen kommt. Innerhalb des Schubladendämpfungssystems eines weltweit führenden Herstellers von Möbelbeschlägen, musste ein Kunststoffteil dauerhaft mit einem Metallteil verbunden werden. Das Unternehmen trat an die Daniel Gruppe heran, um eine gleichermaßen hochwertige wie kostengünstige Lösung zu finden.

Sollen Teile permanent verbunden werden, ist eine Verschweißung meist das Mittel der Wahl. Dafür muss das Kunststoffteil mit einem Anschweißbolzen versehen werden: Der Bolzen wird in den Kunststoff gedrückt – was eine Vielzahl unterschiedlicher Herausforderungen mit sich bringt. Auf dieser Grundlage fertigten die Konstrukteure der Daniel Gruppe einen ersten Entwurf an. 

  • Es brauchte ein Maß, bei dem die Bolzen sich noch bequem einpressen lassen,
  • gleichzeitig sollten sie so stabil sitzen, dass sie sich auch durch Vibrationen oder Erschütterungen nicht lockern oder sogar herausfallen.
  • Durchmesser und Länge der Einpressfläche mussten also genauestens abgestimmt und in der Fertigung umgesetzt werden.
  • So sollte eine optimale und störungsfreie Verwendung im 8-stelligen Stückzahlbereich (pro Jahr) ermöglicht werden.

Für die Bemusterung wurden zunächst Drehteile als Prototypen angefertigt. Dabei lag eine Vielzahl der zu leistenden Arbeiten in der Verantwortung der Daniel Gruppe: 

  • Erster Entwurf,
  • Fertigungspläne,
  • verlässliche Endkontrolle per optischer Sortierung.

Die Herausforderung:

Nach dem Zerspanen sollte eine optimale Wirtschaftlichkeit erreicht werden, indem die spätere Serienfertigung im Kaltfließpressverfahren erfolgt. Das Kaltfließpressen reduziert die Fertigungszeit je Teil deutlich und erhöht somit die Wirtschaftlichkeit erheblich. Zudem entstehen im Gegensatz zur Zerspanung keine Materialverluste durch Verschnitt. Dafür ist jedoch eine genau kalkulierte Kombination aus dem optimalen Abschnitt (Rohling fürs Pressen) und exakt gefertigten Presswerkzeugen in jeder Stufe erforderlich.

Serienfertigung mit besonderen Ansprüchen

Nachdem die zerspanten Prototypen auch vom Kunden getestet und im Labor geprüft wurden, war klar, dass die Konstruktion den Anforderungen entspricht und die Umsetzung als Kaltpressteile beginnen konnte. Zusammen mit einem sorgfältig ausgewählten Fertigungsbetrieb konnte das Projekt – dank weitreichender und detaillierter Planungen – erfolgreich von einer Vorserie in die Massenproduktion gebracht werden. 

Gerade hier hat sich gezeigt, wie wichtig eine entsprechend ganzheitliche Projektarbeit sein kann: Wirtschaftliche und qualitative Aspekte verschmelzen von den ersten Entwürfen bis zur Endkontrolle zu einem idealen Produkt.

Innerhalb von nur anderthalb Jahren hat die Daniel Gruppe das Projekt von der ersten Idee bis zur Serienfertigung begleitet. Bis jetzt wurden schon fast eine halbe Milliarde Bolzen hergestellt. Grundlage dafür war eine über Jahre gewachsene, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Daniel, dem Kunden und dem finalen Hersteller.

Toleranzen: So genau wie nötig, nicht so genau wie möglich

Jede technische Zeichnung definiert Toleranzfelder. Die Aufgabe für Konstrukteure: Welche Toleranz reicht für den Einsatzzweck aus? Selbst in der Automobilindustrie braucht nicht jedes Teil höchste Präzision.

„Es geht darum, die günstigste Lösung zu finden, die für den Einsatzzweck genauso zuverlässig funktioniert – nicht darum, jedes Teil maximal genau zu fertigen und dadurch Extrakosten zu verursachen.“

– Christian Meistrell, Technik und QS bei der Daniel Gruppe

In 5 Schritten zur wirtschaftlichen Sonderteil-Zeichnung

  1. Anforderungen definieren: Was muss das Teil leisten? Welche Funktionen sind kritisch, welche untergeordnet?
  2. Fertigungsverfahren mitdenken: Bereits in der Konstruktionsphase klären, welches Fertigungsverfahren die signifikanten Anforderungen am kostengünstigsten erfüllt.
  3. Toleranzen auf das Verfahren abstimmen: Nicht die engste, sondern die passende Toleranz wählen.
  4. Konstruktion und Einkauf einbeziehen: Beide Perspektiven frühzeitig zusammenbringen, statt Konflikte erst bei der Bestellung zu lösen.
  5. Lieferanten als Berater nutzen: Erfahrene Partner wie die Daniel Gruppe erkennen versteckte Kostentreiber in Zeichnungen direkt und schlagen wirtschaftlichere Alternativen vor.

Wir sind Ihr Experte für Zeichnungsteile und Verbindungselemente und beraten Sie gerne zu Ihrem Projekt.

Kontakt aufnehmen

Fazit: Was bei Sonderteilen wirklich zählt

Die Vollständigkeit aller relevanten Informationen entscheidet darüber, wie wirtschaftlich Ihre technische Zeichnung ist. Denn: Lücken kosten Geld. Wer das Produktionsverfahren erst nach der Zeichnung festlegt, riskiert unwirtschaftliche Lösungen. Wir erkennen Ihre Optimierungspotenziale und beraten Sie partnerschaftlich. Ihr Vorteil: Die Daniel Gruppe bietet Ihnen ein Netzwerk aus technischen Zeichnern, erfahrenen Konstrukteuren und globalen Produktionsstandorten. Bei uns bekommen Sie technische Zeichnungen und anwendungsfertige Sonderteile direkt aus einer Hand. Das spart Ihnen Kosten, Wege und Aufwand.

 

„Viele Teile lassen sich technisch realisieren. Wirtschaftlich werden sie jedoch erst dann, wenn die technische Zeichnung das Fertigungsverfahren von Anfang an berücksichtigt.“

– Christian Meistrell, Technik und QS bei der Daniel Gruppe

Häufig gestellte Fragen

Mindestens eine Skizze oder ein Musterteil. Je expliziter die Angaben zum Projekt, desto genauer das Ergebnis. Das umfasst beispielsweise

  • Belastungen,
  • besondere Montagebedingungen,
  • kritische Kontaktflächen,
  • optische Anforderungen.

Denken Sie von der Funktion her: Welche Abweichung ist im Einsatz wirklich noch okay? Je enger die Toleranz, desto mehr Prozess-, Fertigungs- und Prüfaufwand – und desto teurer wird das Bauteil. So genau wie nötig, nicht so genau wie möglich.

Ein Normteil entspricht einer standardisierten Spezifikation und wird in großen Stückzahlen gefertigt. Ein Sonderteil wird individuell nach Ihren Kundenanforderungen konstruiert und gefertigt. Der Wechsel zum Sonderteil lohnt sich, wenn Normteile in der Anwendung nicht optimal funktionieren.